Rapsöl nur als Nahrungsmittel oder auch als Kraftstoff?
-Betriebsbesichtigung von Schülern des Liebfrauengymnasiums im Rahmen des Comenius-Projektes „Energieressourcen für eine gemeinsame Zukunft“ bei der Firma Kleeschulte in Büren-
Ein Bericht von
Linda Peucker und Claudia Bödefeld (Klasse 9c)
Überarbeitet und ergänzt von J. Kemper und I. Peter
Am Montag,
dem 2.05.2011, besichtigten 37 Schülerinnen und Schüler des
Liebfrauengymnasiums im Rahmen des aktuellen, internationalen Comenius-Schulprojektes
„Energieressourcen für eine gemeinsame Zukunft“ die Firma Kleeschulte GmbH
& Co. KG in Büren. Sie sammelten dort vor allem Informationen über den
nachwachsenden Rohstoff Rapsöl. Im Rahmen des „Ersten Deutschen Dezentralen
Ölmühlentages“ nutzten, neben dem Liebfrauen-Gymnasium, weitere 120 Schüler der
Bürener Schulen Mauritius-Gymnasium, Ludwig-Erhard-Berufskolleg und der Heinz
Nixdorf Realschule diese Gelegenheit.
Der Geschäftsführer der Kleeschulte Agrar, Bernd Kleeschulte, sein Bruder Dirk sowie Lothar Guthof, zuständig für Ein- und Verkauf, begrüßten die Kursgruppen der Schulen und führten sie anschließend persönlich durch das Unternehmen. Dabei erfuhren die Schülerinnen und Schüler sowie ihre beiden Lehrer Frau Peter und Herr Kemper zu ihrem Erstaunen, dass die Firma Kleeschulte ihre Preisgestaltung bei Ölsaat- und Getreidegeschäften sogar mit den jeweils aktuellen Kursen der Börse in Chicago abstimmt. Mit dem Handel von Getreide und Raps begann die Kleeschulte GmbH & Co KG vor über 30 Jahren. Heute verfügt die Firma über eine Lagerfläche von 30 000 Tonnen für Rapssaaten.
Die Ölmühle
Besonders beeindruckt waren die Schülerinnen und
Schüler des Liebfrauengymnasiums von der Funktion der Ölmühle, in der aus den
Rapssaaten das Rapsöl kalt gepresst wird.
Die gesamte Ölmühle der Firma verarbeitet mit 2 Pressen 9.500 Tonnen Rapssaat zu 3,7 Mio. Litern Rapsöl. Die große Presse erzeugt 1 Tonne Rapsöl pro Stunde, die kleine schafft 200 kg. Etwa 44% nutzbares Öl enthält der Rapssamen, von dem etwa 80% durch Kaltpressen extrahiert werden können. Das so erhaltene Öl wird anschließend mehrmals filtriert und schließlich in vier riesigen luftdichten Tanks aufbewahrt.
Und nun die Überraschung: Auch wenn das Öl in zwei verschiedenen Ölmühlen produziert und in separaten Tanks gelagert wird. Es kann sowohl entweder als Lebensmittel, als Kraftstoff für Dieselfahrzeuge oder Energielieferant für Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke (BHKW) verwendet werden!
Zurzeit produziert die Firma Kleeschulte Rapsöl für alle drei Bereiche.
Das in Büren hergestellte Rapsöl wird nach der Produktion technisch gereinigt. Es ist kein Gefahrstoff wie der fossile Dieseltreibstoff und vollkommen ungiftig. Dies vereinfacht die Lagerung und den Einsatz von Rapsöl z.B. in landwirtschaftlichen Maschinen und LKWs. So betankt die Firma ihre eigenen LKWs, die die ebenfalls in Büren hergestellten „Profipellets“ transportieren, mit Rapsöl.
Ein Blockheizkraftwerk auf dem Firmengelände, das mit Rapsöl befeuert wird, produziert Strom und Wärme für den Eigenbedarf.
Kaltgepresstes Rapsöl Moritz
Davon, dass Rapsöl ein schmackhaftes Lebensmittel
ist, konnten sich die Gäste bei einem „Selbstversuch“ überzeugen: Zusammen mit
frischem Weißbrot standen verschiedene Sorten der Ölmarke „Moritz“ zur
Verkostung bereit. Dabei kam das neue Chili-Öl besonders gut an. „Das schmeckt
ja so gut, dass man überhaupt keine Butter und Wurst braucht!“ war die vielfach
geäußerte Meinung.
Das kalt gepresste Rapsöl „Moritz“ produziert die Firma Kleeschulte Agrar seit 2008.
Die einzelnen Flaschen des „Moritz-Öls“ werden mit einer vom Geschäftsführer selbst entwickelten Maschine per Hand in einem besonderen Raum gefüllt und verpackt. Das Speiseöl wird im regionalen Umfeld in und um Westfalen vertrieben.
Als Nebenprodukt der Ölherstellung fällt der so genannte Rapskuchen an, der als Kraftfutter an Nutztiere verfüttert oder für Biomasseheizungen als Brennstoff verwendet werden kann.
Somit werden bei der Rapsölproduktion der Firma Kleeschulte gleich mehrere Bereiche regenerativer und nachhaltiger Produktion berührt.
Das Schulprojekt
Am Ende der Betriebsführung diskutierten die Schüler mit
Herrn Bernd Kleeschulte und Herrn Guthof über die Rapsölherstellung an sich und
über die Problematik, dass Nahrungsmittel nicht nur als Energielieferanten für
den Menschen sondern auch für Maschinen dienen können. Die ausgewogene Nutzung
von Rapsöl als Energieträger ist also besonders wichtig und darf die Ernährung
keinesfalls einschränken.
Die gewonnenen Erkenntnisse und Informationen werden im weiteren Fachunterricht und bei der Arbeit im aktuellen Comenius-Projekt „Energieressourcen für eine gemeinsame Zukunft“ mit der Steinkjer videregående skole, Egge in Steinkjer (Norwegen), der Zespol Szkol Katolickich im Sw. Ojca Pio w Zamosciu in Zamość (Polen), und dem Haci Sabanci Anadolu Lisesi in Mersin (Türkei) genutzt und auch auf der gemeinsamen Comenius-Homepage unter http://www.comenius.pio.edu.pl eingestellt.
Linda Peucker und Claudia Bödefeld (Klasse 9c)
Überarbeitet und ergänzt von J. Kemper und I. Peter







